Was ist wenn … Entscheidungen am Lebensende

Entscheidungen am Lebensende –

Was kann ich tun, dass mein Wille geschieht?

Heute mal ein ernsthaftes Thema.
Ich war gestern bei einem Vortrag der BSA (Berliner Schlaganfall Allianz) in der Charitè wo Herr Prof. Dr. Meisel über dieses Thema referierte. 
Er ist u.a. der Projektleiter Schlaganfall Allianz und tätig in der Klinik für Neurologie in der Charité.
Es ging im Kontext um Schlaganfall und Patientenverfügung.
Lt. seinen Ausführungen haben nur 10 % seiner Patienten Vorsorge getroffen. Habt ihr vorgesorgt???

Ich habe mein 1. Testament vor ca. 10 Jahren gemacht. Der Grund dafür war eine Flugreise. Meine Tochter war zu diesem Zeitpunkt noch minderjährig. Vor meiner Arbeit in der Altenpflege habe ich mir nie große Gedanken über den Tod gemacht. Ich war jung, gesund – keine Anzeichen eines schnellen Endes.

Sicher hatte ich schon meine Erfahrungen mit Gevatter Tod: mein Opa, der beim Kartoffeln schälen einfach gestorben ist oder meine Uroma, die in meinen Armen eingeschlafen ist. Es gab im Freundes- und Bekanntenkreis Todesfälle. Meist war der Krebs daran Schuld. Aber das hatte alles nichts mit meinem Tod zu tun. Der war weit entfernt. Nicht wichtig um sich Gedanken darüber zu machen. Obwohl ich jeden Tag hätte von einem Auto überfahren werden können. 
Irreal. Über sowas denkt man nicht nach.
Wie gesagt, erst mit der Arbeit in der Altenpflege fing ich an, mich damit auseinander zu setzen.

Was ist wenn…

080808Was passiert, wenn das Flugzeug abstürzt? Alle tot? Meine minderjährige Tochter überlebt? Wer kümmert sich, wer übernimmt die Verantwortung für sie? Wer begleitet sie weiter auf ihren Weg ins Leben?
Wer…was…wenn…

Diese Flugreise brachte den Stein des Nachdenkens ins Rollen. Alle hielten mich für verrückt. Ich machte ihnen Angst mit einem Testament. 
Für mich war es beruhigend zu wissen, wenn etwas passiert… Mein Kind ist versorgt, meine Angelegenheiten geklärt.

Derweilen wurde ich immer wieder mit Krankheit und Tod konfrontiert. Ganz klar in meinem Job. Menschen leben nun mal nicht ewig.

Ich werde dieses Jahr ein halbes Jahrhundert alt. Mein Gerüst fängt an zu knirschen und der Motor hat auch den einen oder anderen Aussetzer. Natürlich möchte ich noch lange auf Mutter Erde verbringen und erleben, wie ich meine Rente bekomme ( 😀 ich weiß, ein kurzer Witz am Rande), wie meine Enkelin groß wird, wie meine Kinder ihr Leben weiter aufbauen. Aber irgendwann wackelt einer an meiner Lebenskerze und dafür will ich wenigstens alle Formalitäten für mich geklärt wissen.

Vor ca. 1 ½ Jahren habe ich eine Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht erstellt, einen meiner Söhne als evtl. Betreuer eingesetzt und eine Sterbeversicherung abgeschlossen.

Noch weiß ich, was ich will und was nicht.

Bei der Vorlesung gestern wurde mir wieder bewusst, wie wichtig es ist, seine „Angelegenheiten“ zu regeln. Für sich selbst und als Hilfe für die Angehörigen.
Noch kann ich selbst bestimmen, mit welchen Defiziten ich, z.B. nach einem Schlaganfall, mein Leben noch lebenswert empfinde.

Jetzt kann ich noch sagen und schriftlich festlegen, wo meine Grenzen des Erträglichen liegen. Was ist mir im eintretenden Fall noch wichtig?

Laufen? Sprechen? Essen? Trinken? Allein auf die Toilette gehen können? Meinen Haushalt selbstständig machen zu können?

In den nun 15 Jahren meiner Tätigkeit in der Senioren- WG habe ich viele Menschen kennengelernt, wo ich für mich gesagt habe: So möchte ich nicht meinen Lebensabend verbringen müssen. PEG, Parkinson, Schlaganfall der schlimmeren Art, Bettlägerigkeit…

Natürlich hofft jeder auf einen „leichten Tod“: Abends hinlegen, morgens nicht mehr aufwachen. Oder auch: keine Schmerzen, kein Leiden, kein ´Zurlastfallen´. Aber den Wenigsten sind diese Wege vergönnt.

Und –

man stirbt nicht nur im hohen Alter! Schlaganfälle treffen nicht nur Rentner oder ältere Menschen.

Jeder von uns hat seinen „Stressbeutel“ mit sich herumzutragen. Und wenn es einen erwischt, ist die Zeit Entscheidungen zu treffen meist sehr begrenzt.

Zu Beginn der Veranstaltung erzählte Prof. Dr. Meisel von einem Schlaganfallpatienten, der selbst bei einer beginnenden Therapie eine stark eingeschränkte Mobilität haben würde, das Sprachzentrum so stark geschädigt war, dass eine Kommunikation kaum mehr möglich war.

Wir bekamen einen Zettel mit der Bitte, einmal eine Entscheidung für uns zu treffen und einmal für unseren nächsten Angehörigen.
Zur Auswahl standen: Therapie – sterbebegleitende Therapie – keine Angabe

Ich lass jetzt mal die Arten der Therapie außen vor, hier geht’s um die Entscheidung. Für mich war ganz klar: sterbebegleitende Therapie. Bei meinem Partner habe ich wirklich nachdenken müssen. Ich weiß, dass er so nicht „leben“ wollen würde. Aber hier kam ein Punkt zur Überlegung hinzu, mit dem wohl jeder Angehörige zu kämpfen hat: Kann ich los lassen?

Wenn ich euch einen Rat geben darf: Sorgt vor.

Regelt eure Angelegenheiten, fertigt eine Patientenverfügung, Vorsorgevollmacht und ein Testament an.

Vordrucke dafür gibt es zuhauf im Netz.






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